Die "gesunde" Ernährung gibt es nicht!

Heute ist der Tag der gesunden Ernährung. Der 07. März 2019.

Dieser Aktionstag wurde 1998 vom VFED (Verband für Ernährung und Diätetik e.V.), einem Berufsverband für Ernährungsfachkräfte, ins Leben gerufen.

Die Absicht dahinter ist eine super gute Idee!

Menschen sollen „auf die Wichtigkeit der richtigen Ernährung aufmerksam“ gemacht werden. Voll gut! Auch mir ist das ja ein riesiges Anliegen.

Aaaaaaaaber:

Warum heißt dieser Tag nun Tag der gesunden Ernährung? Warum nicht einfach Tag der Ernährung? Warum muss es immer eine Unterscheidung zwischen gesund und ungesund geben? Warum ist uns das so wichtig? Schwarz oder weiß, dazwischen gibt es nichts?

Schon seit einiger Zeit versuche ich mir im Sprachgebrauch das Wörtchen „gesund“ zu verkneifen. Und ich sag es euch, als Ernährungstante ist das nicht gerade einfach. Jahrelang ging es in Ausbildung um Studium um gesund und ungesund. Aber es wird mir zunehmend klar, dass diese Einteilung eine große Schattenseite hat.

Als mein großer Sohn zu sprechen begann, haben wir ganz automatisch einige Worte aus unserem Sprachgebrauch genommen. Das Wörtchen mit dem „sch…“ am Anfang wurde zum Beispiel gestrichen. Herausgekommen ist eine ziemlich lustige Art zu fluchen. In diesem Bereich ist es oft selbstverständlich, dass Eltern hinterfragen was sie sagen. In anderen Bereichen sieht das aber anders aus.

Irgendwann einmal saß mein Sohn am Tisch und gab etwas von sich, was mich so richtig zum Nachdenken gebracht hat. Er sagte zu seinem Bruder, er wolle etwas „Gesundes“ essen bevor er seinen Nachtisch bekäme. Puh, da war ich platt. Ein kleines Kindergartenkind teilt Lebensmittel ganz selbstverständlich in die beiden Kategorien „gesund“ und „ungesund“ ein. Ist das jetzt unsere Schuld? Mich hat das deshalb besonders erschreckt, weil ich im beruflichen Kontext immer davon erzähle, dass es nicht die eine gesunde Ernährung oder das gesunde Lebensmittel gibt.

Sondern dass es vielmehr eine richtige Ernährung für jeden einzelnen gibt. Dass allgemeine Empfehlungen nicht viel bringen, davon spreche ich, weil die Voraussetzungen für jeden andere sind. Ich erkläre warum in meinen Augen eine Ernährungsampel auf Verpackungen im Supermarkt keinen Sinn ergibt und dann erzählt mir mein Sohn etwas von gesund und ungesund?

Da sah ich dann doch Handlungsbedarf.

Ich spreche also seitdem (meistens) nicht mehr von „gesundem“ Essen. Ich spreche von Essen. Weil mir wichtig ist, dass meine Kinder verstehen, dass es die Mischung macht. Und dass es manchmal auch sehr gesund sein kann, ein vermeintlich ungesundes Lebensmittel mit so richtig großem Genuss zu essen. Dazu kommt noch, dass viele Lebensmittel für Kinder automatisch uninteressant werden, sobald sie den „gesund“ Stempel aufgedrückt bekommen. Das möchte ich nicht noch unterstützen. Ich glaube Kinder lernen nur einen entspannten Umgang mit dem Essen, wenn sie auf ihren Körper hören und erkennen was ihm guttut.

Generell ist ein besonderer Tag für das Thema Ernährung in meinen Augen ganz hervorragend! Wenn das Wörtchen “gesund” nicht wäre.

Was meint ihr? Völlig übertrieben oder sinnvoll das Wort weg zu lassen?

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